„Kultur der unverzüglichen Zahlung“

Wir verkaufen Waren und / oder erbringen Dienstleistungen; hierfür schreiben wir dann eine Rechnung. Die Mehrzahl unserer Kunden begleicht diese umgehend. Es gibt aber immer wieder Kunden, die vereinbarte Zahlungsziele nicht nur ausreizen, sondern die diese auch mehr oder weniger weit überschreiten. Dies bedeutet für uns, dass wir eine geringere Liquidität zur Verfügung haben und dass Ar­beitszeit durch ein notwendiges Mahnwesen gebunden wird.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die EU schon 2011 eine Richtlinie erlassen, die jetzt in weiten Teilen für Deutschland übernommen wurde. Seit dem 29. Juli 2014 gilt für den B2B und für Geschäfte mit der öffentlichen Hand das „Gesetz zur Bekämpfung des Zahlungsverzugs im Geschäftsverkehr“. 

Für Schuldner wird es deutlich teurer, wenn sie Fristen nicht einhalten und Gläubiger können Forderungen besser durchsetzen. Gerade im B2B-Bereich, wo alle im selben Boot sitzen, ist es nur schwer zu verstehen, wenn Zahlungsfristen lediglich als Orientierungspunkte gesehen werden. Die gesetzliche Vorgabe von Maximalfristen ist grundsätzlich positiv zu sehen, auch die Möglichkeit der Entschädigung durch die Inkassopauschale. Die Ausnahmen von der Regel - nämlich mögliche Fristverlängerungen - wurden aber leider recht schwammig formuliert, so dass hier Rechtsunsicherheit besteht. Die Gerichte werden hier für Konkretisierung sorgen (müssen). Wer kein Risiko eingehen möchte, der sollte seine Verträge und AGB überprüfen und sich an die nun geltenden Fristen bzw. den neuen Prozentsatz für Verzugszinsen halten.

Vielleicht entschärft sich durch die gesetzlich vorgegebenen Fristen mögliches Konfliktpotential, da säumigen Zahlern in der Regel keine individuellen Fristen gesetzt werden, sondern allgemeingültige. 

Jeder von uns ist - als Verkäufer und Käufer - mal Gläubiger und mal Schuldner; wenn alle die nun geltenden Regelungen umsetzen, kann dieses Gesetz tatsächlich zu größerer Planungssicherheit führen. 

 

Karl Boos

ZHH-Präsidiumsmitglied