Uniformität der Baumärkte - eine Chance für den Fachhandel?

 

Mittelständischer Fachhandel und Baumärkte standen sich von Anfang an als Wettbewerber gegenüber. Zuerst unterschätzt, dann gefürchtet und heute? Es gibt kaum noch unabhängige kleine Märkte. Die meisten gehören zu Verbund-/Gruppen-Konzepten oder werden als Franchiseunternehmen geführt. Dies hat zu einer weitgehenden Uniformität der verschiedenen Betreiber-Gruppen geführt, die von vielen Kunden negativ wahrgenommen wird. Austauschbarkeit und fehlende klare Positionierung sind derzeit eine der Schwächen der Baumarktszenen, die der Fachhandel für sich nutzen muss.
Auch hat die stetig wachsende Zahl an Fremdsortimenten, wie Spielwaren, Dekoartikel, Zweiräder bis hin zu Küchen, als zusätzliche Umsatzbringer die klassischen Baumarktsortimente in einigen Märkten stark zurückgedrängt, so dass Kunden in klassischen Fachgeschäften eher ihre Bedürfnisse decken können. Zusammen mit dem generellen Trend hin zu mehr Qualität und Beratung sowie dem zunehmenden Wunsch nach individueller Ausgestaltung des persönlichen Umfeldes bieten sich hier Chancen für den Fachhandel sich positiv zu positionieren. Der Preis ist nicht mehr allein ausschlaggebend. Gewünscht werden vielmehr umfassende Beratung, Service und Qualität zu angemessenen Preisen - also gerade die Stärken, die den Fachhandel auszeichnen.
Eine zu große Warenvielfalt überfordert häufig, so dass übersichtlichere Sortimente eines gut ausgestatteten Fachhandels als angenehmer empfunden werden. Dafür muss es uns aber gelingen, trotz der Werbeflut der Baumärkte, selbst Akzente - z.B. durch Anzeigen, Events oder Aktivitäten - zu setzen, um im Blickfeld des Kunden zu bleiben. Auch der Versuch der Baumärkte verstärkt die Handwerker als Kunden zu gewinnen, ging bisher nicht auf. Zwar sorgen Drive-In-Bereiche für ein interessantes Angebot, können aber die unzureichende Beratung nicht ersetzen. Unterstützt werden diese Anhaltspunkte durch unsere im Rahmen des PVH-Kongresses durchgeführte Marktuntersuchung, die gezeigt hat, dass der gewerbliche Kunde den Großteil seines Bedarfs weder derzeit noch in den kommenden Jahren im Baumarkt zu decken gedenkt.
Beachten sollten wir aber die verstärkten Internetaktivitäten der Baumärkte, die in den letzten Monaten massiv an ihren Shops feilen. Hier ist der Fachhandel gut beraten, die Entwicklungen und Wünsche in seinem Kundenumfeld sehr genau im Auge zu behalten und selbst die Mechanismen des Multi-Channels zu prüfen, zu testen und - soweit sinnvoll - zum eigenen Vorteil zu nutzen.

 

Thomas Dammann
ZHH-Hauptgeschäftsführer