Mindestlohn - ein Bürokratiemonster, dem keiner entkommen kann!

 

Ein neues Bürokratiemonster, das Unternehmen und somit Arbeitsplätze gefährdet, ist seit dem 1. Januar nach langen, kontroversen Diskussionen zum Leben erwacht. Der verbindliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro brutto pro Stunde muss - bis auf wenige Ausnahmen - von allen Unternehmen gezahlt werden. Dies bedeutet in vielen Fällen zwar keine Lohnsteigerungen, aber einen enormen zusätzlichen bürokratischen Aufwand, der Kosten verursacht und uns von unserer ei­gentlichen Arbeit abhält. Die Einführung des Mindestlohnes wirkt sich z. B. auf unsere Vergütungsmodelle, auf die Arbeitszeiterfassung, auf die Beschäftigungsmöglichkeiten für Praktikanten oder die Überprüfung von zu beschäftigenden Unternehmen aus.

Es gibt in Deutschland sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen. Wer in einer Großstadt lebt und arbeitet, der hat eine deutlich höhere Kostenbelastung als jemand in einer kleineren Gemeinde. Dies bedeutet, dass die Lebenshaltungskosten stark differieren. 8,50 Euro/Stunde sind in einigen Regionen Deutschlands „mehr wert“ als in anderen, weil z. B. die Wohnkosten nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was in manchen Großstädten gezahlt werden muss. Die durch Arbeitgeber und Gewerkschaften ausgehandelten branchenspezifischen Tarifverträge sind individuell und berücksichtigen die Besonderheiten einzelner Branchen; der allgemein verbindliche bundesweite Mindestlohn nicht. Das Gremium, das nun über die Höhe des Mindestlohnes entscheidet, ist als „Entscheider für alle Branchen“ dazu gar nicht in der Lage. Auch besteht die Gefahr, dass der Mindestlohn instrumentalisiert wird. Er eignet sich z. B. als Wahlkampfthema. Rein machtpolitische Gründe für die Höhe des Mindestlohnes sind aber sachfremd und werden den wirtschaftlichen Gegebenheiten und Notwendigkeiten oftmals nicht gerecht.

Es gibt schon eine Reihe von Ausnahme- und Übergangsregelungen, mit weiteren ist zu rechnen. Dies gestaltet die Umsetzung, die in weiten Teilen in den letzten Wochen des vergangenen Jahres geplant werden musste, sehr schwierig. Hinzu kommt, dass verschärfte Kontrollen stattfinden sollen, die in Branchen, wo es „schwarze Schafe“ gibt, sicherlich ihre Berechtigung haben. In unserer Branche allerdings können sie zur Kriminalisierung unbescholtener Unternehmer führen.

Das Gesetz ist verabschiedet. Wir können nur noch versuchen, das Beste aus den gesetzlichen Vorgaben zu machen und hoffen, dass die Auswirkungen nicht ruinös werden. In Anbetracht des Preiskampfes der verschiedenen Vertriebswege, besonders mit dem Online-Handel, der oftmals wenig personalintensiv arbeitet, werden sich Preiserhöhungen, um die zusätzlichen Belastungen zu kompensieren, nur sehr sensibel durchsetzen lassen. Umso mehr müssen wir noch stärker als in der Vergangenheit durch unser Gesamtpaket aus Kompetenz, Service und Ambiente überzeugen.

 

Norbert Caesar
ZHH-Präsidiumsmitglied