Lokales Engagement zahlt sich - langfristig - aus!

Hat der mittelständische Fachhandel in den Innenstädten eine Zukunft? Vielerorts gleicht sich das Bild: Filialisten, Ein-Euro-Shops, Billigläden, Shopping Center, Leerstände - kaum noch inhabergeführte Fachgeschäfte. Wir kämpfen seit vielen Jahren - mit unterschiedlichem Erfolg - an verschiedenen Fronten. Gegen die Ansammlungen auf der "grünen Wiese", gegen Shopping Center, gegen FOC, gegen die großen Ketten mit ihren Filialen, gegen den Internethandel, gegen "die Politik" und immer gegen die "Geiz ist geil"-Mentalität vieler Verbraucher. Hierbei wird viel zu viel Energie verbraucht. Besser ist es FÜR etwas zu kämpfen. Wer sich konstruktiv den Herausforderungen durch andere Marktteilnehmer und veränderte Rahmenbedingungen stellt, findet Ansatzpunkte für ein erfolgreiches Arbeiten. Handel ist Wandel - wer dies akzeptiert, hat einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ein Unternehmen lässt sich im 21. Jahrhundert nicht mehr so führen wie in der Vergangenheit. Wir müssen uns unseren Kunden anpassen. Ohne unsere Kunden sind wir nichts. Wenn Kunden neue Formen des Einkaufens wollen, dann sollten wir zumindest prüfen, inwieweit wir diese Wünsche erfüllen können.
Kunden - besonders die, die mit dem Internet groß geworden sind - wollen immer und überall kaufen können. Wenn sie in die Innenstädte gehen, dann sind die Erwartungen hoch: Einkaufen soll ein Erlebnis sein, ein stimmiges Gesamtpaket: Kompetente Beratung und Service mit emotional inszenierten Produkten zum Anfassen. Stadt(-Teil-)Feste sind zum Beispiel deshalb erfolgreich. Wir sind als stationäre Fachhändler in unserer jeweiligen Stadt verwurzelt, wir sind ein wichtiger Teil der städtischen Kultur und fördern oftmals auch lokale Vereine und Gesellschaften. Wir sind viel mehr als einfach nur eine Verkaufsstelle. Dies müssen wir laut und deutlich artikulieren. Da es sich um ein Anliegen aller Fachhändler handelt, ist die branchenübergreifende Zusammenarbeit mit Kollegen und mit der öffentlichen Hand bzw. der Politik der erfolgversprechendste Weg. Wir müssen versuchen, das Bewusstsein der Verbraucher - und dies ist jeder Mensch - zu verändern: Wer lebenswerte Innenstädte haben will, der muss mit dazu beitragen, dass ein vielfältiges Angebot an Geschäften, Waren und Dienstleistungen zur Verfügung steht. Je attraktiver ein Standort in den Augen der Kunden ist, desto eher sind sie bereit, stationär einzukaufen. Gerade in Zeiten von steigenden Handelsumsätzen im Internet ist es unerlässlich, den Einkaufsstandort vor Ort im Besonderen zu vermarkten.
Die Erfahrungen meiner Arbeit in der Interessengemeinschaft "Das Viertel e. V." in Bremen zeigen, dass sich kontinuierliche Zusammenarbeit der Händler, Dienstleister, Behörden und Anwohner auszahlt. Wir arbeiten gemeinsam in erster Linie für unser Viertel und nutzen hierfür alle Kanäle. Gemeinsam konnten wir den Standort deutlich attraktiver gestalten, was sich in steigender Frequenz - auch von außerhalb - niederschlägt.

Norbert Caesar
ZHH-Präsidiumsmitglied