Lage im Hartwarenhandel 1. Halbjahr 2011

 

Fortsetzung des Aufschwungs im PVH - Steigende Umsätze im Hartwareneinzelhandel


In den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 hat sich der Aufschwung in Deutschland unvermindert fortgesetzt. Diese positive Wirtschaftsentwicklung kommt auch beim Hartwarenhandel an, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Während der Produktionsverbindungshandel ein gutes Umsatzwachstum verzeichnen kann, liegen die Steigerungsraten im Hartwareneinzelhandel deutlich niedriger.

a) Eisenwaren- und Hausrat-Einzelhandel
Der Eisenwaren- und Hausrateinzelhandel wuchs – getragen von den Sortimenten Elektrowerkzeuge, Befestigungstechnik, Kleinelektrogeräten, Hausrat und Sicherheitstechnik – um rd. 4,5%. Aber auch die meisten anderen Sortimente bewegten sich über Vorjahresniveau.
Zufriedenheit mit dem Verlauf des ersten Halbjahres kennzeichnet so den Einzelhandel im Eisenwaren- und Hausratbereich. Weiterhin sind aber die einzelnen Monate unvorhergesehenen Schwankungen unterworfen. So startete das Jahr mit Umsatzzuwächsen, die zum Teil auf witterungsbedingte Einflüsse zurückzuführen sind - milde Temperaturen im Januar und Februar, die einem kräftigen Wintereinbruch des Vorjahres gegenüberstanden. Eine schwächere Entwicklung verbuchte man im März und Juni, eine bessere im April und Mai. Steigende Einkommen führten zudem zu einer erhöhten Nachfrage nach Markenprodukten und fachlicher Beratung. Im Ergebnis stieg die Binnennachfrage und sorgte für Umsatzzuwachs.
Dabei setzt sich der Trend zum „Homing“ fort. Aber auch das Thema „Nachhaltigkeit“ gewinnt bei den Kaufentscheidungen der Kunden zunehmend an Bedeutung. Innovative und mit neuen Sicherheitsmechanismen ausgestattete Elektrowerkzeuge sorgen für Nachfrage. Ähnliche Beobachtungen lassen sich bei der Befestigungs- und Sicherheitstechnik feststellen. Im Hausratbereich stehen weiterhin Produkte des Küchen- und Genussbereiches, Grills und Elektrokleingeräte im Fokus der Kunden. Hier spielen Produkte, die den Alltag vereinfachen und zur Bequemlichkeit beitragen, eine wichtige Rolle. Hingegen lassen die Nachfrage nach Geschirr sowie Öfen und Herde zu wünschen übrig.
Die Kundenzahlen bleiben relativ konstant, doch muss sich der Händler mit den (neuen) technischen Möglichkeiten der Kunden, wie Smartphone, Internetzugang, etc., immer öfter auseinandersetzen. Hier sind Strategien und Argumentationen erforderlich, um diesen Entwicklungen durch Beratung und Serviceleistung zu begegnen. Dabei spielen Werbung, Events und Kundenansprache sowie die richtige Platzierung der Produkte im eigenen Unternehmen eine wichtige Rolle für den Verkaufserfolg.

 

Eine Übersicht über die Entwicklung stellt die folgende Tabelle dar:

  2006   2007   2008   2009   2010   1.Hbj 2011  
Prognose 2011
Hausrat-/GPK-
Fachhandel
-2,8%   -2,1%   -1,8%   +0,6%   +0,3%   +1,3%   +1,8%
                           
Hartwarenhandel gesamt +2,1%   -0,4%   +1,5%   +0,6%   +2,1%   +4,5%   +3,9%
                           
Einzelhandel gesamt +0,6%   +1,0%   +1,1%   -1,8%   +1,4%   +1,5%   +1,5%

Quelle: ZHH, Stat. Bundesamt

Bis zum Jahresende ist im Hartwareneinzelhandel von einer Fortsetzung des bisher erfreulichen Konsumverhaltens auszugehen, auch wenn die Auswirkungen der Schuldenkrise noch nicht absehbar sind. Doch das positive Wirtschaftsumfeld in Deutschland sollte über die nächsten Monate tragen und für eine relativ stabile Entwicklung sorgen. 2011 ist somit im Hartwareneinzelhandel von einem positiven Wachstum auszugehen, wobei die Wachstumswerte unter den Halbjahreszahlen liegen werden.
Für 2012 muss sich der Eisenwaren- und Hausrateinzelhandel auf ein schwierigeres Marktumfeld einstellen. Eine vernünftige Prognose ist mit Blick auf die Schuldenkrise derzeit aber nicht möglich.

b) Werkzeug- und Baubeschlag-Produktionsverbindungshandel (PVH)
Der Aufschwung in Deutschland führt im ersten Halbjahr 2011 beim Produktionsverbindungshandel (PVH) zu Umsatzsteigerungen von 7 bis 11 %. Besonders im 1. Quartal sorgte das milde Wetter für erhebliche Zuwächse, dem eine gute Entwicklung im zweiten Quartal folgte. Die vollen Auftragsbücher und Verbesserungen der Kapazitätsauslastung der Kunden sind für diese Entwicklung verantwortlich. So setzt der Maschinen- und Werkzeugbau sein starkes Wachstum fort. Der Bausektor verzeichnet aufgrund der milden Witterung im 1. Quartal ungewöhnliche Zuwächse und auch das Handwerk spürt bei steigender Auftrags- und Umsatzlage die positive wirtschaftliche Entwicklung.

Unter Berücksichtigung dieser Situation ergeben die internen Erhebungen zur Entwicklung des PVH für Werkzeuge und Beschläge folgendes Bild (reale Umsatzveränderung):

  2006   2007   2008   2009   2010   1. Hbj. 2011  
Prognose
2011
Werkzeug +4,1%   +4,8%   +1,8%   -11,8%   +8,8%   +11,1%   +9%
                           
Bau-
beschlag
+5,5%   +3,4%   +2,6%   -2,9%   +6%   +7,5%   +5%

Quelle: Konjunkturerhebungen im ZHH

Der Baubeschlaghandel profitiert noch vom ausgelaufenen Konjunkturprogramm II der Bundesregierung im öffentlichen Bau. Ebenso ist zu verzeichnen, dass der Wohnungsneubau deutlich an Fahrt aufnimmt. Angesichts der Eurokrise gewinnen Sachwerte einen höheren Stellenwert. Nach wie vor hält auch der Trend der Renovierungsmaßnahmen der Hausbesitzer in Sachen Energieeinsparungen an. So ist der Fenstertausch nach wie vor ‚in’. Daneben spielt das Thema Sicherheit eine große Rolle, so dass elektronische Schließanlagen vor allem im Objektbau gefragt sind. Diese Entwicklung gilt aber nicht gleichermaßen für alle Gewerke. Der Metallbau ist deutlich stärker ausgelastet als die Innenausbauer und verfügt über volle Auftragsbücher, die schon bis ins 1. Quartal 2012 reichen. Insgesamt ist die Umsatzentwicklung bislang im Jahr 2011 für den Baubeschlag-PVH besser als erwartet.

Der Werkzeughandel steigerte im 1. Halbjahr die Umsätze um rund 11,1 %. Die erfreulichen Entwicklungen der Kundengruppen sorgen für Wachstum in allen Warengruppen. Kräftige Steigerungen verbuchen die Bereiche Arbeitsschutz, Betriebseinrichtung, der gesamte Werkzeugbereich und der Industriebedarf. Dabei knüpft der Bereich der Zerspanung an das rasante Wachstum des Vorjahres an. Steigende Ersatzbeschaffungen, höhere Nachfrage nach innovativen Produkten und eine zunehmende Investitionsbereitschaft sind für diese Entwicklung verantwortlich. Im Handel sorgt dieser Nachfrageboom vereinzelt sogar für Engpässen bei der Bewältigung der Auftragslage, erzeugt aber auch Druck auf die Handelsspannen.
Die im Sommer einsetzende Abschwächung der Wachstumsdynamik wird sich fortsetzen. Die vollen Auftragsbücher der Kunden lassen aber für den PVH ein weiteres Wachstum in den kommenden Monaten erwarten, so dass das Gesamtjahr 2011 zwar nicht die Steigerungsraten des 1. Halbjahres aufweisen wird, aber mit einem Zuwachs zwischen 6 und 10 % zu rechnen ist.
2012 wird das Wachstum schwächer ausfallen. Im welchem Maße werden die nächsten Wochen zeigen. An den Börsen der Welt sorgt die Schuldenkrise derzeit für wenig Zuversicht und erste Sorgenfalten. Vereinzelt wird sogar von einer Rezession gesprochen, nachdem noch in den Sommermonaten diverse Institute und Marktteilnehmer ein gutes Wachstum über mehrere Jahre sahen. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie gravierend der derzeitige Dämpfer der Konjunktur tatsächlich ausfallen wird. Aber die Rahmenbedingungen sehen für den Werkzeughandel auch 2012 nicht schlecht aus.

Auf der Internationalen Eisenwarenmesse 2012 wird der ZHH wieder mit einem Stand vertreten sein und diverse Aktivitäten in Kooperation mit der Kölnmesse durchführen. Dazu gehört die Ehrung des „Partners des PVH 2011“ am Messesonntag, die Verleihung des Innovationspreises „Eisen 2012“ und der „Tag des Auszubildenden“ am letzten Messetag.

Quelle:
Zentralverband Hartwarenhandel e.V. (ZHH)
Thomas Dammann (Hauptgeschäftsführer)
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Tel. +(49)211 47050-0
Fax +(49)211 47050-19
mail: zhh@hartwaren.de
web: www.zhh.de

 

Anhänge
Lage im Hartwarenhandel 2011 - deutsch (PDF)
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