Lage im Hartwarenhandel im Jahr 2010

 

PVH profitiert vom Aufschwung - Konstante bis ordentliche Entwicklung im Hartwareneinzelhandel


Deutschland hat die Wirtschaftkrise in einer nicht zu erwartenden Geschwindigkeit hinter sich gelassen. Dabei ist das Jahr 2010 von einer stetigen Verbesserung der Lage gekennzeichnet, die auch der Hartwarenhandel spürte. Die Belebung des Marktes bescherte dem Produktionsverbindungshandel ein Umsatzwachstum, während der Hartwareneinzelhandel nur ansatzweise vom Aufschwung profitierte.


a) Eisenwaren- und Hausrat-Einzelhandel
Der Eisenwaren- und Hausrateinzelhandel wuchs – getragen von den Sortimenten Beschläge, Sicherheitstechnik, Befestigungstechnik und Eisenwaren – um rd. 2,7%. Die anderen Sortimente bewegten sich auf Vorjahresniveau.
Die ersten Monate des Jahres 2010 waren von einem stetigen Auf und Ab gekennzeichnet, nachdem der starke Wintereinbruch mit Eis und Schnee die Unternehmen zum Jahresanfang kalt erwischt hatte. Umsätze und Kundenzahlen stabilisierten sich erst im Sommer bevor in der 2. Jahreshälfte eine konstant höhere Binnennachfrage zu Umsatzzuwächsen führte.
Trends wie Convenience und Homing setzten sich fort, genauso wie die verstärkte Nachfrage nach Markenprodukten, einer fachlichen Beratung und Dienstleistung. Der gesamte Eisenwarenbereich mit Werkzeugen, Beschlägen und Sicherungstechnik konnte von der besseren Stimmung und der wiederkehrenden Investitionsbereitschaft der Kunden profitieren. Ausgeglichen konnte sich der Hausratbereich behaupten, der mit Produkten aus dem Küchensegment sowie dem Kleinelektrobereich eine positive Entwicklung und rege Nachfrage bei den Verbrauchern verbuchte. Eis und Schnee im Dezember verhinderten in diesem und anderen weihnachtsrelevanten Sortimenten bessere Zahlen.
Ein Umsatztreiber ist unverändert der Outdoor-Bereich, mit Grill- und Gartengeräten. Auch neue und innovative Werkzeuge und Sicherheitseinrichtungen erfreuen sich einer regen Nachfrage. Weiterhin in der Gunst der Konsumenten stehen Kapsel-, Kaffeevollautomaten und der übrige Kleinelektrobereich. Dabei bewegten sich die Kundenzahlen nahezu auf Vorjahresniveau, mussten aber verstärkt mit Events, Kundenveranstaltungen oder Angeboten in die Geschäfte gelockt werden. Erkennt der Kunde die Vorteile der hochpreisigen Markenprodukte, spielt der Preis oft eine untergeordnetere Rolle. So sind die Ansprache des Kunden und die richtige Platzierung der Produkte von immer größerer Bedeutung für den Erfolg des einzelnen Unternehmens.

Eine Übersicht über die Entwicklung stellt die folgende Tabelle dar:

  2006   2007   2008   2009  
Prognose 2010
 
Prognose 2011
Hausrat-/GPK-
Fachhandel
-2,8   -2,1   -1,8   +0,6   -0,3   +1
                       
Hartwarenhandel gesamt +2,1   -0,4   +1,5   +0,6   +2,7   +2,3
                       
Einzelhandel gesamt +0,6   +1,0   +1,1   -1,5   +1,8   +1,5

Quelle: ZHH, Stat. Bundesamt

Für 2011 ist im Hartwareneinzelhandel ein leichtes Wachstum zu erwarten bei steigender Kostenlage. Der Aufschwung sollte sich stärker in der Binnennachfrage bemerkbar machen und zu steigenden Umsätzen beitragen.
Gleichwohl bestehen schwer einzuschätzende Risiken, die sich auf die Unternehmen und die private Investitionsneigung gleichermaßen auswirken könnten. Dazu zählen z. B. die erhebliche Rohstoff- und Energieverteuerung, die staatlichen Schuldenkrisen in Europa sowie die aktuellen Geschehnisse in Nordafrika und im Nahen Osten.
2011 ist im 1. Quartal mit Zuwächsen gestartet: Dazu hat sicherlich auch der zum Vorjahr milderer Winter im Januar und Februar beigetragen. Im März schwächte sich die Entwicklung etwas ab. Doch bei steigenden Konsumausgaben und der Fortsetzung des Aufschwungs sollte auch unsere Branche profitieren.


b) Werkzeug- und Baubeschlag-Produktionsverbindungshandel (PVH)
Der Produktionsverbindungshandel konnte nach teilweise erheblichen Einbrüchen im Vorjahr die wirtschaftliche Erholung nutzen und je nach Sortimentsstruktur zwischen 6% und 10% zulegen.
Verantwortlich dafür ist die Entwicklung in den Kundengruppen des Hartwarenhandels, die mehr oder weniger am Aufschwung teilnahmen.
Nach einem noch sehr verhaltenen Jahresstart setzte sich ab März der Aufschwung durch und sorgte für kontinuierliches Wachstum. In der 2. Jahreshälfte zog das Geschäft noch einmal an.
Unter Berücksichtigung dieser Situation ergeben die internen Erhebungen zur Entwicklung des PVH für Werkzeuge und Beschläge folgendes Bild (reale Umsatzveränderung):

  2006   2007   2008   2009  
Prognose 2010
 
Prognose 2011
Werkzeug +4,1%   +4,8%   +1,8%   -11,8%   +8,5%   +6%
                       
Baubeschlag +5,5%   +3,4%   +2,6%   -2,9%   +6%   +3%

Quelle: Konjunkturerhebungen im ZHH

Der Baubeschlaghandel profitierte vor allem vom Konjunkturprogramm II der Bundesregierung was zu einer deutlichen Belebung im öffentlichen Bau führte, während der Wohnungsneubau weiter rückläufig war. Nach wie vor hält aber der Trend der Renovierungsmaßnahmen der Hausbesitzer in Sachen Energieeinsparungen an. So ist der Fenstertausch nach wie vor ‚in’. Ebenso spielt das Thema Sicherheit eine große Rolle, so dass hochwertige Schließanlagen vor allem im Objektbau gefragt waren. Diese Entwicklung gilt aber nicht gleichermaßen für alle Gewerke. Die Innenausbauer sind deutlich stärker ausgelastet als die Metallbauer. Insgesamt war das Jahr 2010 umsatzmäßig für den Baubeschlag PVH besser als erwartet.
Zu Beginn das Jahres 2011 setzte sich diese erfreuliche Entwicklung in den ersten drei Monaten fort, obwohl die Fördermaßnahmen im öffentlichen Bau ausgelaufen sind. Für das zweite Halbjahr wird mit einer leichten konjunkturellen Delle gerechnet, so dass das Wachstum von 2010 im Baubeschlaghandel nicht ganz erreicht wird.

Der Werkzeug-PVH legte nach teilweise erheblichen Einbrüchen im Vorjahr in allen Warengruppen zu, im klassischen Werkzeugbereich um die 10 %. Den stärksten Umsatzanstieg verzeichnete die Warengruppe Präzisionswerkzeuge, aber auch der Bereich Arbeitsschutz wuchs kräftig. Für den Gesamtbetrieb ergaben sich daraus im Jahr 2010 Zuwächse von 8,5%. Mit dieser Entwicklung kann ein Großteil der Vorjahresverluste wieder aufgeholt werden. Dabei gewannen die Händler umso stärker, je größer ihre Kundschaft der Metallindustrie sowie dem Maschinen- und Werkzeugbau zuzurechnen ist. Diese Kundegruppe legte 2010 um 8,8 % zu. Hingegen war im Handwerk eher eine konstante Entwicklung zu verzeichnen, in der Baubranche ein leichter Rückgang von 1 %. Entsprechend unterschiedlich fielen im Werkzeughandel die Ergebnisse aus, die von leichten Verlusten bis zu Umsatzzuwächsen über 25 % reichten.
Für das Jahr 2011 wird der Werkzeughandel sein Wachstum fortsetzen können, ohne allerdings das Ausmaß von 2010 erreichen zu dürfen. Getragen wird dieses Wachstum von der steigenden Investitionsbereitschaft und zunehmender Nachfrage in den Kundengruppen. Das erste Quartal ist mit zweistelligen Wachstumswerten sehr gut angelaufen, wobei diese Entwicklung unter den witterungs- und krisenbedingten Vorjahresmonaten zu bewerten ist. Wie stark das Wachstum ausfällt, wird davon abhängen, in wie weit es dem PVH gelingen wird, die steigenden Kosten für Energie und Personal einerseits und die teilweise rasant ansteigenden Wiederbeschaffungskosten andererseits an die Kunden weiterzugeben.



Quelle:
Zentralverband Hartwarenhandel e.V. (ZHH)
Thomas Dammann (Hauptgeschäftsführer)
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