Krise 2008/09 überwunden! Alles gut?


Die weltweite Wirtschaftskrise, ausgelöst durch eine tiefe Finanzkrise im Jahr 2008, ist fürs Erste überwunden. Dabei hat sich Deutschland sehr gut geschlagen. Haben wir Lehren aus der Krisenbewältigung gezogen? Eher Nein, für den Außenstehenden ist jedenfalls kaum etwas erkennbar. Die Finanzmärkte kommen nicht zu Ruhe. Entscheidungen von Rating-Agenturen beeinflussen die Stimmung von Finanzanlegern und wirken sich somit nachhaltig destabilisierend auf die Entwicklung ganzer Volkswirtschaften, ja sogar ganzer Wirtschaftsregionen aus. Spekulanten haben mit Leerverkäufen und Finanzmarktprodukten ohne realwirtschaftlichen Hintergrund ein leichtes Spiel. Die Abhängigkeit vom Treiben vergleichsweise weniger Finanzmarktakteure wird überdeutlich. Ohne Skrupel betreiben sie eine Maximierung der individuellen Vorteile. Deregulierung und Liberalisierung bedeuten für sie auch Freiheit von jeder Moral.

Wenigen Krisengewinnlern steht die große Zahl derer gegenüber, die von den negativen Auswirkungen der Krise betroffen sind. Bis weit in die Mittelschicht hinein sind sinkende Realeinkommen festzustellen. Wenn der sozialen Marktwirtschaft das „Soziale" verloren geht, darf man sich über ein kapitalismuskritisches oder sogar -feindliches Klima nicht wundern.
Das Verhaltensmuster der Finanzmarktakteure strahlt auf das gesamte Wirtschaftsgeschehen ab.
In vielen Bereichen wird die Durchsetzung der Individualinteressen konsequent betrieben, unter Ausnutzung der eigenen Machtposition. Der Mächtige setzt seine Interessen oft mit Arroganz und Ignoranz gegenüber dem Schwächeren durch. Faire partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen und die viel gelobten Win-Win-Situationen, ohne Dritte zu belasten, werden seltener. Vielmehr werden Abhängigkeiten geschaffen, um eigene Vorteile zu realisieren, Man kennt sich, und man hilft sich, solange es den eigenen Interessen nutzt. Der darin zum Ausdruck kommende Werteverfall erhöht die Notwendigkeit von Compliance-Richtlinien.
Von diesen Entwicklungen bleibt leider auch unsere Branche nicht verschont. Sich dem zu erwehren, liegt im Interesse des Gemeinwohls. Die klassischen Kaufmannstugenden sollten weiterhin Kompass für unser Verhalten sein. Ehrlichkeit und Fairness sind Voraussetzung für Vertrauen, sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben.
Unter dem Thema „Zukunft des PVH" haben FDM, FWI, ZVEI und ZHH gemeinsam am 18. und 19. November in Köln den 1. PVH-Kongress veranstaltet. Die fast 250 Teilnehmer erhielten in den interessanten Vorträgen zahlreiche Denkanstöße zur Ausrichtung ihrer Unternehmen auf zukünftige Entwicklungen im PVH. Wer dabei war, weiß, dass er zuversichtlicher in die Zukunft blicken kann.
Der ZHH ist stets bestrebt, Ihnen das unternehmerische Leben zu erleichtern. Zu den Angeboten gehört unser Branchenbetriebsvergleich, durchgeführt vom Institut für Handelsforschung, Köln. Der Betriebsvergleich bietet wichtige Informationen zur Bestimmung der eigenen Marktposition. Je mehr sich beteiligen, desto aussagekräftiger sind die Daten.
Die ZHH-Tochtergesellschaften - ZHH-Bildungswerk, ZHH-Dienstleistung-GmbH, Eisenwarenzeitung und AGM-Zert - konnten mit ihren Leistungen überzeugen. Ein besonderer Dank gebührt der E/D/E-Stiftung. Durch die Vergabe von Stipendien fördert sie seit vielen Jahren die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern im mittelständischen PVH.
Am Ende des Jahres danke ich allen Kolleginnen und Kollegen im Präsidium und den Ausschüssen für Ihre engagierte ehrenamtliche Arbeit sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Geschäftsstelle für Ihren steten Einsatz und das ausdauernde Bestreben, für alle Probleme eine Lösung zu finden. Nur durch diese gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit können wir zum Wohle der Branche wirken. Uns allen ist zu wünschen, dass wir eine besinnliche Adventszeit sowie friedvolle Weihnachtstage erleben dürfen. Der Jahreswechsel sei von der Hoffnung geprägt, dass sich die Turbulenzen aus Euro- und Staatsschuldenkrise nicht allzu sehr im kommenden Jahr auf unsere wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr 2012.
Ihr

Dr. Paul Kellerwessel
ZHH-Präsident