Franchise ist bedenkenswert

Es ist beeindruckend, wie sich das Prinzip "Franchise" in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland entwickelt hat. Gute Franchise-Konzepte entwickeln sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Mit keinem anderen Konzept kann man mit gesunder Eigenkapital-Basis so schnell eine marktbeherrschende Position einnehmen. Neben den Marktführern gibt es aber auch hunderte kleine Franchise-Unternehmen, deren Entwicklung deutlich schwieriger einzuschätzen ist. Viele tauchen wie Sternschnuppen am Himmel auf und verglühen ebenso schnell. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten, und dieser Schatten betrifft nicht nur die Qualität der Geschäftsidee, sondern auch die Verteilung des wirtschaftlichen Erfolgs. Wenn ein Unternehmer eine herausragende Geschäftsidee hat und sie nach dem Franchise-Prinzip vielen Kollegen zur Verfügung stellt, soll er dafür auch ein angemessenes Entgelt bekommen. Doch nicht immer ist dieses Entgelt angemessen. Darüber hinaus wird die unternehmerische Freiheit durch das Franchise-Korsett erheblich eingeengt. Aber nur so ist es überhaupt möglich, eine größere Gruppe von Unternehmern unter einem Konzept am Markt zu positionieren. Deshalb ist es wichtig, dass sich ein zukünftiger Franchisenehmer mit diesen Konsequenzen auseinandersetzt: Er muss bereit sein, sich dem Gesamtkonzept unterzuordnen, es anzuerkennen und für sich selbst sowie für das gemeinsame Ganze zu arbeiten. Deshalb kann man einer Beteiligung an Franchise-Konzepten nur mit "ja, aber ..." antworten.
Das "Aber" betrifft zunächst die Qualität der Konzeptidee. Hier sollte der zukünftige Franchisenehmer u. a. sehr sorgfältig überprüfen, welche Erfahrungen bei bisherigen Franchisenehmern anzutreffen sind und welche Leistungen der Franchisegeber für die Franchisegebühr bereitstellt. Darüber hinaus sollte der zukünftige Franchisenehmer eine ausgesprochene Unternehmerpersönlichkeit sein. Er muss bereit und in der Lage sein, für (s)ein Unternehmen überdurchschnittlichen Einsatz zu bringen, das Franchise-Konzept kreativ umzusetzen und gegen Widerstände und unvorhergesehene Probleme durchzusetzen.
Die überdurchschnittlich gute Entwicklung von Franchise-Systemen - gerade jetzt in schwierigen Zeiten der Wirtschaft - liegt nicht daran, dass ein Franchise-Konzept grundsätzlich erfolgreicher ist als andere Unternehmen. Hauptgrund ist, dass gute Franchiseideen erprobt sind, wichtige Marktnischen besetzen und in jedem Betrieb ein am Erfolg und Misserfolg beteiligter Unternehmer sitzt. Die immer wichtiger werdende Frage der Finanzierung kann leichter beantwortet werden, da Banken eher überzeugt werden können. Franchise ist kein Allheilmittel, aber eine bedenkenswerte Alternative.

Guglielmo Mizia
- ZHH-Präsidiumsmitglied -