Digital oder eingeschränkter Marktzugang?

 

Die vernetzte Welt beeinflusst mehr und mehr unsere täglichen Abläufe in sämtlichen Lebensbereichen. Das Internet ist nicht nur ein Instrument zur Beschaffung von Informationen und Abwicklung von Transaktionen. Es ist zum wichtigen, vielleicht derzeit wichtigsten, Treiber gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen geworden. Vor einigen Jahren waren „Vernetzung“, „Social Media“ und „Digitalisierung“ noch Schlagworte. Heute müssen wir uns überall und ständig damit auseinandersetzen.

Industrie und Handel versuchen, Chancen und Herausforderungen in der zunehmend digitalisierten Welt zu meistern. Die Politik ist gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen für den Erhalt unserer Wirtschaftskraft und Unternehmenslandschaft zu stellen. In Zeiten der absoluten Transparenz muss geklärt werden, ob unsere Gesetze, die lange vor der digitalen Revolution entstanden sind, heute noch ihren Zweck erfüllen. Damals war beispielsweise keine weltweite Markt- und Preistransparenz innerhalb von Sekunden möglich. Die Gesetze müssen unter dem Blickwinkel der aktuellen Marktgegebenheiten bewertet werden.

In Deutschland sind die mittelständischen Strukturen Garant für Lebensqualität, Wohlstand, sichere Arbeitsplätze und sozialen Frieden, viel stärker als in den meisten europäischen Nachbarländern. Wollen wir unsere mittelständisch geprägten Strukturen erhalten? Wenn ja, wie können wir dies gewährleisten? Unsere mittelständischen Strukturen sind gefährdet. Überprüfungen und gegebenenfalls Anpassungen der Rahmenbedingungen erscheinen geboten. Mit der „Dialogplattform Einzelhandel“, die Bundeswirtschaftsminister Gabriel im April dieses Jahres ins Leben gerufen hat, ist ein erster Schritt getan. Der ZHH ist eingebunden. Er wird eindeutig Position für den mittelständischen Handel beziehen.

Auch auf der Kundenseite stehen wir vor enormen Herausforderungen. Die Erwartungen unserer Kunden sind gewaltig gewachsen, nicht zuletzt durch die Angebote von Amazon, Google und Co. Kunden erwarten, dass eine riesige Vielfalt von Informationen und Artikeln jederzeit verfügbar ist, online wie offline. Die Bereitstellung der Online-Informationen stellt die gesamte Wirtschaft vor große Herausforderungen. Verständliche Beschreibungen, eindeutige Bilder, technische Produktinformationen zu einer fast unüberschaubaren Vielzahl von Artikeln erfordern einen erheblichen Pflegeaufwand. Entlastungen könnte die verstärkte Nutzung von Datenstandards bringen. Informationen verbreiten sich rasend schnell. Alles ist ständig vergleichbar. Neue Anbieter und Vertriebswege entstehen. Wer nicht im Netz ist, läuft Gefahr, nicht mehr gefunden zu werden. Seine Leistungen werden nicht mehr ausreichend wahrgenommen. Er verliert einen Zugang zum Markt. Die Präsenz im Internet wird zum Muss. „Kanalübergreifend“, eben Multi-Channel, heißt Kunden auf den traditionellen und auf den digitalen Wegen erreichen. In Verbindung mit persönlicher Kompetenz können wir das Vertrauen von Kunden gewinnen, erhalten, verstärken. So überzeugen wir unsere Kunden von der Notwendigkeit des mittelständischen Fachhandels.

Welche Veränderungen und Anforderungen auf unsere Branche zukommen, zeigte auf dem 3. PVH-Kongress Mitte März in Köln die exklusive Marktstudie. Erfreulich ist die steigende Resonanz des Kongresses, die einen aktiven Gedankenaustausch zu den wichtigen Themen ermöglichte. 2017 soll der 4. PVH-Kongress folgen.

Die ZHH-Tochtergesellschaften stehen dem mittelständischen Hartwarenhandel als Anbieter von Weiterbildung und Zertifizierungen aktiv zu Seite. Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern dürfen in Zeiten zunehmender Online-Informationsbeschaffung seitens der Kunden nicht vernachlässigt werden. Neue Weiterbildungskurse decken weitere Sachgebiete unserer Branche ab. Dank gebührt der E/D/E-Stiftung. Sie unterstützt die Weiterbildung durch die Vergabe von Stipendien.

Danken möchte ich meinen Kollegen im Präsidium und den Arbeitskreisen, die sich für die Belange unserer Branche in den Gremien des ZHH ehrenamtlich eingesetzt haben. Ich würde mich freuen, wenn sich weitere Unternehmen und junge Kollegen mit ihren Ideen in die Verbandsarbeit einbrächten. Abschließend danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Geschäftsstelle. Sie unterstützen mit großer Einsatzbereitschaft unsere tägliche Arbeit. 

Die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit möge nicht nur von einem erfolgreichen Jahresendgeschäft gekennzeichnet sein, sondern auch Gelegenheit bieten, uns auf die bevorstehenden Weihnachtstage einzustimmen. Ihnen, Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen Familienangehörigen wünsche ich frohe Weihnachten und einen friedlichen Jahreswechsel in ein erfolgreiches Jahr 2016.

Ihr 

 

Dr. Paul Kellerwessel
ZHH-Präsident