Keine Frage des „Ob“, nur noch des „Wann“

Unsere Welt befindet sich durch informationstechnische und elektronische Neuerungen in einem umfassenden radikalen Wandel. Ein wichtiger Ausschnitt hiervon ist für uns im Handel der Bereich der Zahlungsmittel. Es gibt die verschiedensten Bezahlarten. Bargeld spielt - besonders in Deutschland - noch eine große Rolle, wird aber zunehmend durch unbare Zahlungen verdrängt. Die Gründe sind vielfältig. Man schätzt die Bequemlichkeit des unbaren Bezahlens, nutzt das Kreditlimit der Plastikkärtchen, mag es, wenn alle Zahlvorgänge schriftlich archiviert vorliegen. Aber auch staatliche Institutionen schielen mit großem Interesse auf dieses Feld. Mit den üblichen Be­gründungen wie der Bekämpfung von Terror, Steuerstraftaten und Geldwäsche wird versucht, unseren Überwachungsstaat noch weiter auszudehnen und uns auch die letzten anonymen Bereiche zu nehmen. Handyortung, Vorratsdatenspeicherung und automatisierte Datenaustausche lassen grüßen. Anonymität und Diskretion sind aber ein Kern unserer Freiheit.

Doch ob uns das passt oder nicht, wir stehen mitten in der Entwicklung vieler weiterer neuer bargeldloser Zahlungsmethoden und sollten darauf angemessen reagieren. Vor kaum einem Vierteljahrhundert begann der Siegeszug des Plastikgeldes. Meist mussten wir dies, trotz der an Abzocke grenzenden Provisionen, zähneknirschend akzeptieren. Der nächste Schritt hin zu mobilen Bezahlmethoden, bei denen das allgegenwärtige Smartphone nun auch als Portemonnaie genutzt wird, ist bereits getan. Noch ist die Akzeptanz in Deutschland nicht sehr hoch. Man sorgt sich wegen Sicherheitslecks und Datenschutzproblemen, und es fehlen bislang flächendeckende Akzeptanzstellen. Zu befürchten ist aber, dass sich ein oder mehrere solcher Systeme für mobiles Bezahlen durchsetzen. Deshalb sollten wir informiert sein und beobachten, welche Systeme die Standards setzen. Kartenlesegeräte mancher Anbieter werden neuerdings nur noch mit zusätzlich integrierter kontaktloser Schnittstelle (NFC) ausgeliefert, neue Kreditkarten haben diese Funktion und aktuelle Smartphones nutzen auch Bluetooth als Übertragungsweg. Apple hat sein System Apple Pay herausgebracht, das nicht nur im Internet zum Einsatz kommen soll. Kunden werden künftig - genauso wie damals bei Kredit- und EC-Karten - diese Möglichkeiten nutzen wollen. Im Online-Handel ist dies schon lange bekannt. Bald werden wir auch im stationären Handel gefordert sein und leider neben dem relativ kostengünstigen EC-Cash-Lastschriftverfahren mit diesen vermutlich teureren und aufwändigeren Zahlmethoden leben müssen.

Siegfried Rossmann
ZHH Vizepräsident