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Gute Prognosen in instabilen Zeiten

 

Im Jahre 2017 gab es mehrere Landtagswahlen mit teils überraschenden Ergebnissen, und wir haben den Bundestag neu gewählt. Deshalb war weitgehend innenpolitischer Stillstand zu verzeichnen. Der Aus­gang der Bundestagswahl verspricht eine schwierige Regierungsbildung.

Politisch befinden wir uns in instabilen Zeiten. Internationale Unwägbarkeiten sind verbunden mit den Ländern USA, Ukraine, Syrien, Türkei, Nordkorea, aber auch innereuropäisch mit Großbritannien, Katalonien, Polen, Ungarn. Die erlebten Un­sicherheiten in Verbindung mit der andauernden Flüchtlingsproblematik und der stets präsenten Terrorgefahr haben zu einem Erstarken nationalistischer, rechtspopulistischer Bewegungen geführt.

Die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land ist im europäischen, im internationalen Vergleich erfreulich gut. Neueste Prognosen gehen von zwei Prozent Steigerung des BIP aus. Die Zahl der Erwerbstätigen hat einen Höchststand, die der Arbeitslosen einen Tiefststand seit der Wiedervereinigung erreicht. In vielen Bereichen werden Fachkräfte gesucht. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird es zunehmend schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden. Von einer künftigen Regierung ist zu fordern, dass sie die Rahmenbedingungen für den Mittelstand als Garant einer stabilen Wirtschaftsentwicklung verbessert.

Die Digitalisierung bestimmt seit geraumer Zeit Entscheidungen in unseren Unternehmen. Offensichtlich will die Politik den damit einhergehenden Strukturwandel nicht wahrnehmen. Im Wettbewerb mit Online-Riesen können mittelständische Handelsunternehmen nur mühsam bestehen. Grenzenlose Preistransparenz im Web, Big Data und Algorithmen bieten klare Vorteile für Großunternehmen. Die Zulässigkeit eines selektiven Vertriebs würde es Herstellern ermöglichen, die Präsentation ihrer Produkte in Kundennähe zu fördern, sofern gewünscht. Allmählich wird Kunden bewusst, dass der Online-Boom zu einem Rückgang von Beschaffungsmöglichkeiten in ihrer Nähe führt. Der mittelständische Handel muss seine Existenzberechtigung beweisen, indem er seinen Kunden Produktpräsentation, sofortige Produktverfügbarkeit, Beratung und Service bietet, die so nicht online erbracht werden können. Die erbrachte Gesamtleistung muss vom Kunden als werthaltig angesehen werden, damit er bereit ist, einen Preis über dem Web-Tiefstpreis zu akzeptieren. Ausstellung und geschulte Mitarbeiter verursachen Kosten. Produkte, mit denen keine auskömmlichen Margen erzielbar sind, werden aus dem mittelständischen Handel verschwinden.

Die Digitalisierung bestimmte im März auch den 4. PVH-Kongress und unsere neue Marktuntersuchung. Mehr als 330 Teilnehmer kamen nach Köln, um sich mit dem Thema "Alles online oder was? - Aus Kundensicht denken" auseinanderzusetzen. Diese Thematik bleibt aktuell und wird den 5. PVH-Kongress im Jahre 2019 prägen.

Unsere Tochtergesellschaften konnten auch in diesem Jahr stabile Ergebnisse erzielen. Die Arbeit unseres Bildungswerkes wurde erneut durch die E/D/E Stiftung gefördert - herzlichen Dank für diese nachhaltige Unterstützung!

Abschließend danke ich all jenen, die die Arbeit unseres Verbandes tatkräftig unterstützt haben. Sowohl die Ehrenamtlichen, die ihre knappe freie Zeit der Branche widmeten, als auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, die durch hohes Engagement unsere Gemeinschaft festigten.

Zum Jahresende wünsche ich Ihnen allen, Ihren Familien und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Muße, die Weihnachtstage zu genießen und sich an ihren Ursprung zu erinnern. Für das kommende Jahr 2018 hoffe ich auf Gesundheit, Erfolg und Stabilität für uns alle.

 

Ihr

 

Dr. Paul Kellerwessel

ZHH-Präsident

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